Auszug aus der Festschrift "40 Jahre Bergrettungsdienst im Alpenverein Südtirol 1948-1988"

"Erinnerung an einen Lehrgang

Man schrieb 1950. Der BRD Bruneck war gerade im Entstehen. Wir jungen oder noch jungen Kletterer stellten uns begeistert zur Verfügung, aber wir hatten keine Ahnung von einer Bergrettungstechnik.

Darum wurde uns von der AVS-Sektion empfohlen, einen Lehrgang zu besuchen, der im August auf der Berliner Hütte im Zillertal stattfinden sollte (so etwas gab es in Südtirol noch nicht). Mein Bruder Bernhard, ich und Toni Bachmann (18 Jahre älter, aber in bester Form) entschieden uns dazu. Beim Krämer Abfalterer aus Luttach, wo wir noch etwas einkauften, legte man uns nahe, Lebensmittel für die Hütte mitzunehmen: Zucker, Reis, Öl waren „draußen“ noch Mangelware und willkommen. Darum lud jeder in seinen gewiss nicht leichten Rucksack noch ein paar Kilo Lebensmittel, die hinauf bis zum Übergang auf 3000 m viele Schweißtropfen kosteten.Wir wurden herb enttäuscht, als man uns auf der Hütte sagte, sie würden uns die Ware schon abnehmen, aber sonst gebe es jetzt alles wieder zur Genüge. Da hatten wir also umsonst geschuftet.

Von Südtirol waren noch Dejori und Kaufmann von Welschnofen, von Sand in Taufers Winkler gekommen. Die anderen 8 waren Nordtiroler und Salzburger. Kursleiter war Wastl Mariner (wer kennt ihn nicht), der sofort unsere Sympathien hatte. Obwohl Hochsaison, herrschte damals noch kein Rummel in den Bergen, wir waren die Herren der Hütte und benahmen uns als solche. In der Halle richteten wir eine Abseilstelle ein, wo wir Prusik übten und bei Schlechtwetter alle Bergungsmethoden durchgehen konnten. Unser Treiben wurde von manchem Hüttengast mit Interesse verfolgt.

Der Vormittag war den Touren vorbehalten, und wenn man von 2000 m rechtzeitig startet, kann man auch in der 3000er Region allerhand machen. Wir führten eine Reihe von schneidigen Touren durch. Nachmittags dagegen wurde gelernt und geübt. Da war ein älterer Rettungsmann, der Paul von Innsbruck. Er erzählte am Abend viele Geschichten von Bergungen und Tragödien, teils recht makabrer Art: Abgestürzte wären wie Porzellanfiguren zersprungen. Ganz glaubten wir es ihm nicht, doch ich fragte mich mit Bangen, ob mir nicht auch so etwas passieren würde. Allzu schnell gingen die 8 Tage vorbei, wir haben viel gelernt, und unser Selbstbewusstsein war gestiegen.

Ein paar Jahre danach konnten wir dem Wastl beweisen, was wir gelernt hauen. Am Dülferriß der Odla da Cisles war ein Karwendler (von der berühmten Innsbrucker Klettergruppe) gestürzt und hatte sich ziemlich verletzt. Zwei von uns waren zufällig anwesend und übernahmen sofort die Bergung, im unteren Teil wurden sie von den herbeigeeilten Karwendler Kameraden unterstützt. Ohne zu zögern, konnten sie in die ihnen bekannten Rettungssitze schlüpfen und ohne Zeitverlust die Rettung fortsetzen. Am Fuße der Wand war auch der Wastl, der begeistert zu seinen Kameraden sagte: „So hätte ich mir das für den ganzen Alpenbogen vorgestellt! gleiche Methoden, gleiche Technik, gleiche Mitte! Im Lauf der Jahre ist ihm das zum Teil auch gelungen.

Im Nachhinein dem Wastl vielen Dank für den damaligen herrlichen Lehrgang!

Norbert Feil"

 

1950er: Erstes Einsatzfahrzeug der Rettungsstelle Bruneck

 

1960er: Hochtourenrettung in den Zillertaler Alpen

 

1970er: Felsübung in der Tamerswand

 

1980er: Gruppenbild

 

 

 1989: Hubschrauberübung mit Aiut Alpin Dolomites beim Moessmer-Turm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2001: Lawineneinsatz Merbjoch am 15.Dezember

        († Adang Günther, Aschbacher Norbert)

 

 

2003: Provisorische Unterkunft in Containern bis 2008

 

 

2008: Lawinengefahr in Südtirol am 1.Dezember nach tagelangem Schneefall